Viertel für Feingeister

Viertel für Feingeister

Im entspannten Tiong-Bahru-Viertel trifft Dreißigerjahre-Charme auf modernen Lifestyle. Schicke Cafés und alteingesessene Traditionslokale machen es auch zu einer Topadresse für Gourmets.

Gebäude des staatlichen Wohnungsbaus aus den fünfziger Jahren
Gebäude des staatlichen Wohnungsbaus aus den fünfziger Jahren

Die schneeweißen Wohnblöcke im schlichten Art-Déco-Stil wirken mit ihren markanten Treppenhäusern in Hufeisenform wie die perfekte Kulisse für einen Hollywood-Streifen aus den dreißiger Jahren. Fehlte nur noch, dass Somerset Maugham in einem der Cafés sitzt und Notizen für sein neues Buch ins Heft kritzelt. Auffallen würde er nicht, denn das nur zwei Metrostationen von Chinatown gelegene Tiong-Bahru-Viertel ist in den letzten Jahren zu einem Hotspot für Künstler und Kreative geworden. Und die treffen sich beispielsweise in der Buchhandlung „Books Actually“, um in den neuesten Werken lokaler Autoren zu schmökern, oder im „Art Blue Studio“, um sich die Ausstellungen regional bekannter Künstler anzuschauen. Oder sie lassen sich von der Streetart inspirieren, die der Künstler „YC“ alias Yip Yew Chong lebensecht an die Wände malte. Eines der Motive nannte er „Bird Corner“ und erinnert an jene verschwundene Ära, als die Bewohner ihre Vogelkäfige dort zur Schau stellten. Ein anderes Motiv heißt „Home“ und illustriert das entspannte Leben der Bewohner von Tiong Bahru.

Wohnen im Art-Déco-Stil

Die beschauliche Atmosphäre rund um die Wohnblöcke und hübschen Grünanlagen gibt es auch heute noch. Aber sie ist Welten entfernt von jener Zeit, als hier Tausende von Menschen in beengten Hütten hausten. Um ihnen eine neue Heimat zu geben, ließ der damalige Singapore Improvement Trust (SIT) in den dreißiger Jahren dreistöckige Wohnblöcke im damals populären Art-Déco-Stil erbauen. Seit 2003 stehen die Häuser mit ihren gut 2.000 Wohnungen unter Denkmalschutz und werden nach wie vor von vielen alteingesessenen Familien bewohnt. Die schätzen nicht nur das viele Grün um ihre Häuser – etwa im Seng Poh Garden –, sondern auch das gute und günstige Essen. Beispielsweise im Hua Bee Restaurant an der Moh Guan Terrace, das bereits seit den 1940er-Jahren das leckere Nudelgericht „Mee Pok“ auftischt. Oder im Tiong Bahru Lien Fa Shui Jing Pau an der Bukit Merah Lane, dessen Dumplings sogar die strengen Tester des Michelin Guides überzeugten. Günstiges Streetfood vom Feinsten und in allen Varianten gibt es vor allem im Hawker Centre des Tiong Bahru Market an der Seng Poh Road. Und da kann es zur Mittagszeit sogar richtig hektisch werden.

Buchhandlung „Books Actually“
Buchhandlung „Books Actually“